Offener Brief an die CSU-Agrarsprecherin Marlene Mortler

EU-Lebensmittelinformationsverordnung

Auch eine Folge falscher mündlicher Information: der Einsatz des Adrenalin-Pens, um einen anaphylaktischen Schock zu verhindern

Sehr geehrte Frau Mortler,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme auf Ihrer Webseite zur neuer EU-Lebensmittelinformationsverordnung, die ab dem 13.12.2014 in Kraft tritt. Aus der Sicht Ihrer Funktion als Agrarsprecherin kann ich Ihre Position vollständig nachvollziehen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Sie das aus der Sicht der Betroffenen bisher getan haben – oder sind für Sie Nahrungsmittelunverträglichkeiten nur eine Modeerscheinung, wie es so gerne in der Presse beschrieben wird?

Als angehende Ernährungsberaterin und ebenfalls Betroffene weiß ich, wie schwierig es für Nicht-Betroffene ist, unsere Sorgen und Probleme zu verstehen, mit denen wir jeden Tag auf’s neue konfrontiert sind. Wenn von heute auf morgen schon ein Bäckereieinkauf oder ein Restaurant-Besuch einem Russisch-Roulette gleicht. Ich habe es am eigenen Körper erlebt, wie eine falsche Information mich auf Wochen krank macht – andere trifft es noch schlimmer und sie müssen mit einem anaphylaktischen Schock vom Notarzt abgeholt werden.

Möchten Sie diese Bürde den Verkäuferinnen und Verkäufern hinter den Theken der Bäckerei, Fleisch- und Käseabteilungen wirklich auflasten? Denn wenn diese mündlich eine falsche Aussage geben, tragen sie die Verantwortung, wenn die Information falsch ist – und glauben Sie mir bitte, es gab mehr als einmal den Fall, dass ein Produkt als milchfrei ausgewiesen wurde, da es „ja nur“ Butter enthielt. Häufig ist das Fachpersonal traurigerweise so wenig geschult, dass sie noch nicht einmal wissen, aus was Butter hergestellt wird.

Um einmal am eigenen Leib zu erfahren, wie das Leben als Allergiker ist, lade ich Sie herzlich ein, mal ein Tag mit einem von uns zu verbringen. Ich weiß, dass Siegburg natürlich sehr weit ab von Ihrem Wahlkreis und Berlin ist, aber ich bin mir sicher, dass ich sehr schnell jemanden bei Ihnen in der Nähe finden werde, der sich gerne auf das Experiment einlässt.

Bis dahin wünsche ich Ihnen, dass sie selbst von Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten verschont werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Julia Stüber

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Julia Stüber

Jahrgang 1973, Mutter eines fünfjährigen Nerds (bei den Genen kein Wunder), Bloggerin, Ernährungsberaterin, psychologische Beraterin, Rezeptetesterin - und wenn ich mal eine Pause brauche auch Harfenspielerin...
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Was kann ich noch essen?!?
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