Warum ich die Wörter Fehlernährung und Diätfehler nicht mag

Beides genießenVor ein paar Tagen hatte ich in einer Ernährungsberatergruppe in Facebook eine Diskussion zum Thema Zöliakie. Dabei schrieb mein Gesprächspartner, dass diese bestimmt auch durch die heutigen „Fehlernährungzustande“ kommen würde. Dieses Wort – genauso wie „Diätfehler“ schwirrt mir seitdem im Kopf herum. Bei beiden Wörtern schwingt eine Wertung oder sogar Verurteilung mit, die ich nicht für angemessen halte.

Natürlich ist eine Ernährung, die überwiegend aus Pizza und Cola besteht, nicht gesund und wird dem Körper langfristig schaden bzw. ihm nicht die Nährstoffe geben, die er braucht. Natürlich ist eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, gesunden Fetten und wenn man mag, gutem Fleisch und Fisch, nährstoffreicher. Aber warum müssen wir unser Essen immer bewerten? Warum ist ein Stück Torte eine „Sünde“, für die wir uns später regelrecht kasteien müssen? Warum kann es nicht ein genußvoller Moment sein, den wir einfach nur genießen – genauso wie man dann später einen leckeren Salat genießt?

Wir müssen unser Essen und unser Essverhalten nicht bewerten, dafür gibt es einfach keinen Grund. Im Gegenteil, wir setzen uns damit unter Druck, wollen alles richtig machen. Aber funktioniert das? In den meisten Fällen doch eher nicht. Denn wenn wir uns unter Druck setzen, können wir das Essen nicht mehr genießen oder es als das sehen, was es wirklich ist: Nahrung für unseren Körper, damit er funktionieren kann. Auch werden wir nie alles richtig machen können. Denn was ist schon die richtige Ernährung? Eine Standardantwort kann es nicht geben. Jeder Körper ist anders und jeder Körper verändert sich mit der Zeit. Vielleicht gibt es Zeiten, in denen eine vegane Ernährung für einen einzelnen gut ist. Vielleicht hilft auch eine Vollwertkost. Ich selber ernähre mich seit eineinhalb Jahren nach Paleo und es geht mir so gut wie schon lange nicht mehr. Aber ist das die richtige Ernährung bis an mein Lebensende? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es mir im Moment gut tut und mir schmeckt – und mehr verlange ich nicht von meiner Nahrung.

Wenn Du also merkst, dass Du Deine Ernährung in gut und schlecht einteilst, oder Du zum Beispiel mit einem Schokoriegel „sündigst“, halte einen Moment inne und denk noch einmal darüber nach. Ist der Riegel wirklich eine Sünde? Oder kannst Du ihn einfach nur genießen und Dich darüber freuen?

Wie oben schon geschrieben empfinde ich auch den „Diätfehler“ als ein ganz schwieriges Wort. Die meisten von uns essen nicht absichtlich etwas, wogegen wir allergisch sind oder was wir nicht vertragen. Mein letzter Unfall war eine Packung mit frischen Sprossen, auf der kein Spurenhinweis stand. 4 Stunden Durchfall und ein Telefonat später hatte ich herausbekommen, dass die Firma auch Weizensprösslinge verarbeitet und ich deshalb Gluten abgekommen hatte. Das war nichts, was ich hätte verhindern können, also kein Fehler, sondern ein Unfall. Deshalb spreche ich bei Zöliakie auch immer von „Glutenunfällen“. Natürlich gibt es Situationen, wo man nicht richtig aufgepasst hat, die Zutatenliste nur überflogen hat oder nicht daran gedacht hat, dass sich eine Zutatenliste verändert haben könnte. Klar, man hätte es besser machen können, aber wer ist schon zu 100% perfekt? Solange wir uns bemühen, Allergen-frei zu essen, müssen wir uns keine Vorwürfe machen, wenn es doch mal schiefgeht. Niemand ist perfekt, niemand macht immer alles 100%ig richtig – wir können es nur versuchen!

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Julia Stüber

Jahrgang 1973, Mutter eines fünfjährigen Nerds (bei den Genen kein Wunder), Bloggerin, Ernährungsberaterin, psychologische Beraterin, Rezeptetesterin - und wenn ich mal eine Pause brauche auch Harfenspielerin...
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