Warum Verzicht manchmal so schwer ist oder: Was tun, wenn die Firewall löchrig ist

Wegen Zöliakie, Unverträglichkeiten oder Allergien auf leckere Lebensmittel zu verzichten, kann manchmal wirklich schwierig sein. Viele denken, nur weil ich Ernährungscoach bin, würde mir das leichter fallen – aber um ganz ehrlich zu sein, das tut es nicht. Was mir leichter fällt, ist der Umgang mit diesen Gefühlen, aber auch das ist sehr tagesformabhängig.

Firewall, Verzicht bei AllergienIch weiß, normalerweise sollte ich ein „leuchtendes Vorbild“ sein. Aber ich will auch ganz ehrlich mit Dir sein. Das Jahr 2015 hat mich sehr viel Kraft und Nerven gekostet. Mein Mann wurde schwer krank, geplante Urlaube und Fortbildungen musste ich absagen, und dann konnte auch noch mein Sohn wochenlang nicht in die Kita gehen. Diese schwierigen Monate habe ich gut überstanden, bin immer einen Schritt nach dem anderen gegangen, einen Tag nach dem anderen, so wie ich es auch im Coaching vermittle. Jetzt am Anfang des neuen Jahres bin ich erschöpft, nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Und jetzt merke ich, wie meine Disziplin ins Wanken gerät und ich mich mit verträumten Blick in die Tiefkühltruhen mit Pizza starre oder plötzlich eine Smartiespackung in der Hand halte. Beides würde mich wegen meiner Zöliakie, Laktoseintoleranz und Histaminintoleranz auf Wochen krank machen und normalerweise verschwende ich keinen Gedanken daran. Doch im Moment hat meine Firewall ernsthafte Sicherheitslücken, um es mal als Nerd zu sagen. Ganz ehrlich: das macht mir Angst! Was also tun bei einer löchrigen Firewall?

Zuerst einmal habe ich versucht, meine Aktivitäten einzuschränken. Auch wenn einige Entscheidungen sehr schwer gefallen sind, aber mir tut es im Moment einfach gut, mich auch mal zu Hause einzuigeln.

Dann habe ich versucht herauszufinden, was meinen Hunger wirklich stillen könnte und mein Körper sagte mir ganz klar, dass er für den Moment mehr Nüsse haben möchte.
So konnte ich für mich persönlich mehrere Strategien entwickeln:

  • Ich achte im Moment sehr darauf, dass mein Notfallpack für unterwegs immer gefüllt ist, so dass ich nicht in Verlegenheit komme, unterwegs etwas kaufen zu müssen.
  • Ich habe eine größere Portion „skandinavisches Brot“ gebacken, die ich zum Frühstück essen kann, ohne das ich darüber nachdenken muss, was ich mir morgens mache.
  • Entgegen meiner sonstigen Essgewohnheiten habe ich mir sogar Rohmilch-Käse aus einer regionalen Käseherstellung geholt, bei der ich weiß, dass er seine Kühe auf der Weide hält (wenn Du mehr über Jules Käsekiste wissen will, kannst hier im meinem Schwesterblog darüber lesen).
  • Ich habe mir Cantuccini gebacken, die sich länger halten und die ich gut mitnehmen kann. So habe ich immer etwas zum Knabbern dabei.
  • Wenn ich wirklich das Bedürfnis habe, mir etwas gönnen zu wollen, mache ich mir eine Tasse griechischen Tee. Der Duft wirkt auf mich sehr beruhigend und allein der Akt des Teekochens (ich benutze lose Blätter) entspannt mich.

Was kann Dir helfen, wenn Du merkst, dass Deine Firewall nicht mehr ganz stabil ist?

2 thoughts on “Warum Verzicht manchmal so schwer ist oder: Was tun, wenn die Firewall löchrig ist

  1. Micha

    Liebe Julia, das hast du sehr gut geschrieben, danke auch für deine Ehrlichkeit *knuddel*. Auch ich habe so meine Probleme. Bin eh physisch und psychisch angeschlagen. Und habe oft Phasen, wo ich völlig aus dem Gleichgewicht gerate, wie z.B. in den letzten 6 Wochen.
    Zum Glück habe ich „nur“ LI. Und ich muss sagen, dass ich mich in solchen Momenten oft sehr gehen lasse. Ich überlege schon auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, ob ich nachmittags/abends Termine habe. Oder auch am kommenden Vormittag nach dem Dienst. Wenn nein, dann gönne ich mir Schokolade, B+J Eis, Kuchen, Torte…..einfach alles. Meistens süße Sachen, aber manchmal auch Brot mit dick Butter, Blätterteigkram mit dick Käse, oder ne fette Pizza. Manchmal nehme ich Laktase, oft ist es mir aber auch egal, wenn es mir schlecht geht. Ich nehme es in Kauf. Auch wenn ich laktosefreies wie Mon Cheri esse, finde ich erst Ruhe, wenn die Packung leer ist, oder mir so schlecht, dass nichts mehr reingeht.
    Manchmal merke ich, wie so ein „Anfall“ kommt. D.h., ich komme z.B. nach Hause, und merke, dass ich mal wieder Schmerzzustände im ganzen Körper habe. Zusätzlich hat man Ärger, sorgt sich um Familienangehörige, hat Depressionen, Angstzustände. Und ich könnte dann den Kühlschrank leer fressen. Manchmal denke ich an meine Ernährungsberatung. Was fehlt mir im Moment, wo habe ich Defizite, was vermisse ich? Äußerst selten schaffe ich es, mich mit etwas abzulenken, was nicht mit Essen zu tun hat. Z.B. eine kleine Entspannungsübung zu machen, zu lesen oder sonst etwas zu machen, was mir Freude macht. Das ist aber die Ausnahme, und leider nicht die Regel. Nur hinterher geht es mir nicht nur physisch schlechter, wenn ich Bauchkrämpfe habe und Durchfall, sondern auch psysisch. Weil ich mich dann als Versager fühle.

    Was ja sonst immer gut tut, ist Bewegung. Aber mein Walken mache ich ausschließlich morgens. Wenn ich aufstehe, kann ich nur zum Bad kriechen, aber wenn ich einmal in Gang gekommen bin, dann gehts mir ganz gut. Und das ist die Zeit, wo ich dann 2x die Woche walke. Ich könnte aber niemals nachmittags los, oder abends. Ab Mittag habe ich oft Schmerzen, und dann geht gar nichts.
    Wenn jemand nicht der Morgensporttyp ist, sondern auf nachmittags oder abends steht, dann würde ich immer raten, in so einer Stresssituation, wo man sich mit irgendetwas vollstopfen will, Jacke an und raus. Egal ob laufen, walken, spazieren gehen, radfahren. Und auch wenn’s schwer fällt, danach geht es einem zu 99,9% besser. Das ist eine Tatsache.

    Manchmal kriege ich auch die Kurve, wenn ich mich auf etwas konzentriere, was ich aufräumen kann. Und glaube mir, da gibt es hier genug. Es gibt kaum etwas was mehr befriedigt. Dieses Gefühl zu haben, ja, um mich herum ist Chaos, aber hier in dieser Schublade kann ich Ordnung machen.

    Unterwegs habe ich immer einen Apfel und eine kleine Flasche Wasser dabei. Vielleicht sollte ich mir mal eine kleine Dose mit Studentenfutter für unterwegs fertig machen.
    Ansonsten bin ich aber ein eher schlechter Ratgeber für solche Situationen. Meine Firewall ist mehr als durchlässig!

    • Stüber (Admin)

      Danke für Deinen gleichfalls sehr ehrlichen Kommentar!!
      Mir hilft auch immer irgendwelche Fruchtriegel in der Tasche zu haben. Ansonsten muss man wirklich schauen, wie man seine Firewall in Gang hält…

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