Homöopathische Mittel und Schüsslersalze bei Laktoseintoleranz und Zöliakie

Homöoapthie, Zöliakie, Laktoseintoleranz

Homöoapthie, Zöliakie, LaktoseintoleranzHomöopathische Mittel erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Allerdings kommt es immer wieder zu Fragen, ob man diese auch bei einer Laktoseintoleranz oder Zöliakie nehmen kann. Selbst Apotheker wissen nicht immer Bescheid! Mein Apotheker ist eh schon Kummer mit mir gewohnt und weiß und akzeptiert mittlerweile, dass ich bei einigen Themen besser Bescheid weiß als er (aber natürlich nicht bei vielen, ich bin ja keine ausgebildete Apothekerin). 😉

Homöopathische Mittel und Schüsslersalze gibt es in mehreren Darreichnungsformen: als Tropfen, als Globuli und als Tabletten.

Tropfen:
Die Tropfen sind meistens auf Alkoholbasis und deshalb für Kinder nicht geeignet. Hier habe ich allerdings noch keine laktose- oder glutenhaltigen gefunden.

Globuli:
Die sogenannten Globuli – also kleine Kügelchen – bestehen bei den Einzelmitteln aus Saccharose, also reinem Haushaltzucker. Die Mittel von der DHU sind immer auf Saccharose als Zucker-Basis und deshalb sowohl bei Laktoseintoleranz als auch Zöliakie geeignet.
Vorsichtig muss man allerdings bei Komplexmitteln sein sein. Von Wala gibt es etliche Komplexmittel, die Laktose enthalten, aber eben nicht alle. Hier muss man dem Apotheker sagen, dass er jedes Mal auf die Inhaltsstoffe schauen muss.

Tabletten:
Die meisten Komplexmittel – also Mittel z.B. gegen Heuschnupfen oder Erkältungen, die aus mehreren Wirkstoffen gemischt wurden – werden in Tablettenform verabreicht. Bei den Tabletten gibt es mittlerweile unterschiedliche Zusammensetzungen:

  • Tabletten mit Laktose und ohne Weizenstärke (nur bei Zöliakie geeignet)
  • Tabletten ohne Laktose und mit Weizenstärke (nur bei Laktoseintoleranz geeignet)
  • Tabletten mit Laktose und mit Weizenstärke

Hier muss man also IMMER auf die Zutatenliste achten und sie sich zeigen lassen.

Von der DHU (Deutsche Homöopathie-Union) gibt es z.B.

Von Pflüger gibt es die Schüsslersalze als Tabletten, diese sind aber laktosehaltig, genauso wie die Komplexmittel von dieser Firma.

Schüsslersalze als Globuli
Als ich vor Jahren anfing, mich mit Schüsslersalzen zu beschäftigen, gab es noch keine laktose- und glutenfreien Tabletten. Mit ein wenig Recherche habe ich damals die Firma Schuck-Mineral gefunden, die die Schüsslersalze in Globuli-Form anbieten:
http://www.schuckmineral.de/die-12-schuckmineral-globuli/

Auch die DHU hat jetzt neu die Schüsslersalze als gluten- und laktosefreie Globuli Variante herausgebracht.

Fazit:
Lass Dich also bitte nicht verunsichern, auch nicht von Aussagen von Apothekern, ohne dass derjenige in die Inhaltsstoffe geschaut hat. Und am Besten liest Du die Inhaltsstoffe der jeweiligen Packung selber noch mal durch.


Eis essen gehen mit Zöliakie

Eis essen mit Zöliakie
Eis essen mit Zöliakie

Das Eis war zu schnell weg für ein Foto. 😉

Kurz nach meiner Zöliakie-Diagnose war ich mit meinem Sohn in einer Eisdiele und überlegte, ob ich dort Eis essen kann. Der Besitzer sah mich Grübeln und fragte mich, was los sei. Also erzählte ich ihm von der Diagnose. Da er Italiener war, kannte er Zöliakie wie so viele seiner Landsleute. Er zeigt mir, dass bei ihm und wahrscheinlich 90% aller Eisdielen die Eiswaffeln oberhalb der Eisbehälter gelagert werden und außerdem beim Portionieren des Eises die Waffel über die Eisbehälter gehalten werden. Dadurch ist die Krümel- und Kontaminationsgefahr natürlich enorm und er riet mir dringend davon ab, bei ihm ein Eis zu essen. Auch wenn ich enttäuscht war, war ich ihm gleichzeitig dankbar, denn wir ich später erfahren sollte, habe ich vier Wochen etwas von einem Glutenunfall (ich rede nie von Diätfehlern, da ich finde, dass da implizit ein Versagen oder eine Schuldzuweisung mitschwingt).

Seit diesem Gespräch in der Eisdiele habe ich über zwei Jahre also meinem Sohn und meinem Mann beim Eisessen zugeschaut und mich an einen Espresso geklammert. Besonders schlimm war für mich jedes Mal das „erste Eis des Jahres“, etwas was ich als Kind nahezu zelebriert habe. Beim letzten Mal bin ich in einen Buchladen geflüchtet, da ich sonst zu traurig geworden wäre.

Jetzt war ich mit meinem Sohn eine Woche zu Besuch bei Verwandten in Ingolstadt und bekam den Tipp, dass es eine Eisdiele gäbe, die gluten- und laktosefreies Eis herstellen würde. Ich war sehr skeptisch und habe mich beim ersten Mal wieder nur an einen Espresso geklammert. Aber einen Tag später wollte mein Kind dort wieder ein Eis und ich konnte beobachten, wie sie dort mit dem ganzen Vorgang umgehen: die Eiswaffeln stehen auf einer getrennten Fläche neben dem Eis, die Kühltheke ist mit einer zusätzlichen Glasscheibe abgeschirmt und der Eisportionierer wird nach jeder Kugel unter fließendem Wasser abgespült.

Todesmutig bestellte ich direkt drei Kugeln und konnte mein Glück gar nicht fassen. Als ich grinsend dastand, kam die Geschäftsführerin dazu und wir redeten ein wenig über Zöliakie. Schließlich zeigt sie auf mein strahlendes Gesicht und sagte zu ihrer Angestellten: „Genau deswegen machen wir das so!“ Wir waren noch zwei weitere Male dort, denn das musste ich ja ausnutzen und ich versprach, über sie zu berichten. Versprechen erfüllt! Wer mal in Ingolstadt ist: die Eisdiele „Del Corso“ liegt in der Pfarrgasse zwischen Fußgängerzone und Wochenmarkt!

Wenn Sie mit Zöliakie Eis essen gehen möchten, sollten Sie sich also erstmal anschauen, wo die Waffeln gelagert werden und wie das Eis-Prozedere abläuft. Manchmal hat man einfach Glück und die Eisdielenbesitzer kennen sich aus, z.B. haben sie dann ein getrenntes glutenfreies Eis oder sogar glutenfreie Waffeln – was aber sehr selten ist. Verlassen Sie sich nicht drauf, wenn auf einem Schild steht: „glutenfreies Eis“. Dieses ist dann vielleicht glutenfrei hergestellt, kann aber durch die Handhabung der Waffeln wieder kontaminiert sein. Das wichtigste ist: reden Sie mit den Leuten, vertrauen Sie auch auf Ihr Bauchgefühl – und nehmen Sie zur Not lieber nur einen Cappuccino, natürlich ohne Keks.


7 Gründe, warum eine Zöliakie-Diagnose wichtig ist

Zöliakie, Diagnose

Zöliakie, DiagnoseImmer wieder höre ich im Bekanntenkreis oder in Internetforen den folgenden Satz: „Warum soll ich zum Arzt gehen, wenn es mir mit glutenfreier Ernährung besser geht?“ Da ich mir schon mehrfach den Mund fusselig bzw. die Finger wund geschrieben habe, fasse ich jetzt mal alles in diesem Blogeintrag zusammen. Denn zu wissen, ob man Zöliakie hat oder nicht, ist wichtiger, als man denkt. Und natürlich ist eine Magen-Dünndarm-Spiegelung nicht unbedingt das, womit man den Tag beginnen möchte. Trotzdem ist eine Diagnose – oder eben keine – wichtig! Hier die 7 Gründe, warum eine Diagnose so wichtig ist:

1) Zöliakie bedeutet Krümelphopie
Wenn man Zöliakie bzw. Sprue hat, muss man nicht nur sprichwörtlich auf jeden Krümel achten. Ein achtel Gramm Mehl reicht, um die Zotten im Dünndarm zu schädigen, wenn man Zöliakie hat. Und eben diese Schädigungen können weitreichende Folgen haben: von Nährstoffmangel über Osteoporose bis zu Darmkrebs ist „alles drin“. Wenn man Gluten aus anderen Gründen nicht verträgt, kann man meistens – ähnlich wie bei einer Laktose-Intoleranz – noch eine gewisse Restmenge vertragen. Natürlich ist auch hier die Bandbreite relativ groß. Während die einen sogar noch ein Stück Pizza essen können, kriegen andere eventuell auch bei einem Krümel Probleme. Aber die Darmzotten bleiben intakt, auch wenn man über der Kloschüssel hängt.
Bei einer Zöliakie ist es egal, ob man meint, dass man das Stück Pizza und den Schluck Bier verträgt. Hier findet auf jeden Fall eine Schädigung des Dünndarms statt, auch wenn man keine direkten Folgen merkt. Deshalb muss man bei der Zöliakie wirklich auf jeden Krümel achten!

2) Zöliakie ist keine Modeerscheinung
Jeder, der von Zöliakie betroffen ist, weiß das natürlich. Aber es gibt Ärzte, Personal in Krankenhäusern, Fluglinien, Hotels etc., die auf die Frage nach glutenfreier Ernährung nur mit Kopfschütteln oder eben dem Hinweis auf Hollywoodstars antworten. Hier ist es wichtig, im schlimmsten Fall die Diagnose in Papierform vorzulegen – gut, eher im Krankenhaus und bei Ärzten, im Hotel würden sie wahrscheinlich merkwürdig gucken. Aber wenn man die Diagnose schwarz auf weiß hat, kann man sich gegenüber dieser Modeerscheinung anders durchsetzen.

3) Nur fliegen ist schöner
Wo ich schon beim Thema Fluglinie bin. Bei den meisten Fluglinien kann man glutenfreie Nahrungsmittel als Extra-Gepäck mitnehmen. Wenn man Glück hat, reicht es, dieses Extra-Gepäck einfach anzumelden, aber es passiert auch, dass die Fluglinien ein Attest sehen wollen.

4) Folgeuntersuchungen
Bei einer Zöliakie ist es notwendig, zumindest einmal im Jahr die Blutwerte prüfen zu lassen, um den Erfolg der glutenfreien Ernährung zu kontrollieren. Gehen die Werte nicht runter, kann dies mehrere Gründe haben (Fehler, Kontaminationen, Koomplikationen), denen dann nachgegangen werden muss.

5) Folgeerkrankungen
Zöliakie ist genetisch eng verwandt mit Diabetes mellitus Typ 1 sowie der Autoimmunerkankung Hashimoto Thyreoiditis oder Morbus Basedow. Wenn es eine gesicherte Diagnose gibt, sollten auch diese Erkrankungen überprüft werden. Ebenso sollten mehrere Blutwerte geprüft werden, z.B. ob es einen Vitamin D- oder Eisenmangel gibt. Da auch das Osteoporose-Risiko durch eventuell jahrelange Unterversorgung mit Calcium und Vitamin D hoch ist, sollte auch dies untersucht werden. Ich möchte Euch garantiert nicht Panik versetzen, aber da ich selbst Osteoporose habe und mein Leben danach anpassen musste, weiss ich, wovon ich spreche.

6) Grad der Behinderung
Mit Zöliakie alleine bekommt man lediglich einen Grad der Behinderung von 20%. Und natürlich erhält niemand mit Zöliakie einen Parkausweis für Behinderte! Wenn aber andere Erkrankungen dazu kommen und ihr eine Chance habt, auf die 30% zu kommen, nutzt diese, denn immerhin gibt es dann leichte Steuervorteile. Diese bekommt ihr aber nur mit einer Diagnose und einem Attest vom Arzt.

7) Die erschwerte Diagnose
Wenn Ihr einmal auf glutenfreie Kost umgestiegen seid, wird nach einiger Zeit eine Zöliakie nicht mehr nachweisbar sein, da sich der Dünndarm mit der Zeit erholt und die Antikörper im Blut sinken. Wenn Ihr also erstmal ausprobiert, ob es Euch mit glutenfreier Kost besser geht, und dann doch eine Diagnose haben wollt, müsst Ihr Euch mehrere Wochen bis zu 3 Monate (die Angaben schwanken da von Arzt zu Arzt ein wenig) wieder glutenhaltig ernähren. Für viele, die diesen Weg gewählt haben, ist es eine regelrechte Qual!

Deshalb meine dringende Bitte: wenn Ihr den Verdacht habt, dass Ihr Gluten nicht vertragt, macht erst einen Termin beim Gastroenterologen und lasst abchecken, ob Ihr nicht vielleicht Zöliakie habt. Wenn die Diagnose negativ ist (Ihr also keine Zöliakie habt), könnt Ihr eventuell noch eine Weizenallergie prüfen lassen. Und erst dann stellt Eure Ernährung auf glutenfrei um.

Wunderbare Hilfe von anderen Betroffenen bekommt Ihr auch bei der Facebook-Gruppe Zöliakie Austausch!
zöliakie austausch


Zöliakie ist nicht heilbar. Punkt.

Zöliakie ist nicht heilbar

Zöliakie ist nicht heilbar

Zöliakie ist nicht heilbar

Natürlich wissen die meisten, die Zöliakie haben, dass diese nicht heilbar ist. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung mit dem Urteil „lebenslänglich“. Vielleicht ist die Medizin in 10, 20 oder 100 Jahren soweit, dass sie Zöliakie heilen kann oder ein Medikament erfindet, mit dem man Gluten wieder zu sich nehmen kann. Doch im Moment ist der Stand: unheilbar, lebenslänglich. Egal, was ein Halbgott in Weiß mit gefährlichen Halbwissen, Esoteriker oder wer auch immer behauptet.

Trotzdem wird uns Betroffenem immer wieder gerne Heilung versprochen. Hier einige Beispiele:

1) Als Kind hatte man Zöliakie, jetzt ist aber nichts mehr nachweisbar. Ärzte, die nicht auf dem aktuellen Stand der Forschung sind, erzählen Jugendlichen dann gerne, dass sie von der Zöliakie geheilt sind, da sich diese ausgewachsen habe. Doch anders als eine Allergie wächst sich eine Autoimmunerkrankung nicht aus. Sie bleibt.

2) Nachdem man sich jahrelang brav glutenfrei ernährt hat, stellt man fest, dass man Weizen und Co. plötzlich wieder verträgt. Wenn man Glück, bzw. Pech hat, kann man sogar jahrelang wieder Gluten zu sich nehmen und merkt nicht, was im Körper eigentlich passiert.

3) Es ist auch schon vorgekommen, dass Ärzte Menschen als geheilt entlassen haben, da weder im Blut noch im Dünndarm die Zöliakie bei einer Kontrolle nachzuweisen war.

All diese Beispiele (und es gibt noch viele weitere) vergessen eine Tatsache bei der Zöliakie: wenn man sich streng glutenfrei ernährt, heilt der Darm und die Zöliakie ist nicht mehr nachweisbar. Das heisst aber nicht, dass sie nicht mehr da ist. Sie hält nur Winterschlaf und ähnlich wie ein Bär in seiner Höhle ist sie friedlich, solange man sie nicht stört. Doch wehe, man „weckt“ sie. Jeder Glutenunfall ist gefährlich und wenn man sich dauerhaft glutenhaltig ernährt, entzündet sich der Dünndarm mehr und mehr, es kommt zu Nährstoffmangel und das Darmkrebsrisiko sowie die Osteoporosegefahr steigen.

Also hört nicht auf die, die Euch heilen wollen oder als geheilt erklären. Es ist Euer Körper und Eure Gesundheit und egal, was sie Euch einreden wollen: Ihr wisst es besser!


Vergesst die Apps!

Apps, Scan, glutenfrei

Apps, Scan, glutenfreiImmer wieder kommt in diversen Foren die verwunderte Frage auf, warum ein Produkt laktose-/glutenfrei ist, wenn die App auf dem Smartphone doch etwas anderes behauptet. Wer diese Apps nicht kennt: man kann damit den Barcode eines Produktes scannen und die App verbindet sich mit einer Datenbank, in der Informationen über sehr viele Lebensmittel gespeichert sind. Anschließend spuckt die App ein Ergebnis aus. Die Idee an sich ist gut, allerdings funktioniert sie aus mehreren Gründen nicht:

1) Die Datenbanken sind nicht aktuell
Die Lebensmittelhersteller verändern gerne und schnell die Zusammensetzung von Lebensmitteln. Was letzte Woche noch glutenfrei war, ist es diese Woche eventuell nicht mehr. Da es Abertausende von Produkten gibt, kann so eine Datenbank nie aktuell sein. Auch die DZG verschickt mehrmals jährlich Aktualisierungen ihrer Listen der glutenfreien Lebensmittel und Medikamente.

2) Die Datenbanken können von jedem Nutzer gepflegt werden
Je nach App kann jeder – wirklich jeder! – die Daten ändern. Dadurch ist die Fehlergefahr extrem hoch und die App nicht mehr zuverlässig.

3) Fehlender Empfang
Je nachdem, wie der Supermarkt gebaut ist, in dem Ihr Euch gerade befindet, werdet Ihr keinen Empfang mehr haben. Dann nutzt Euch die beste Datenbank nichts, wenn Ihr nicht darauf zugreifen könnt.

Das einzig wirklich sichere ist:

  • Lernt die Liste der Zutaten, die nicht in einem Lebensmittel stehen dürfen, auswendig.Die Liste gibt es z.B. auf der Webseite vom Zöliakie Austausch – hier klicken!
  • Wenn Euch das am Anfang zu schwierig erscheint, druckt die Liste aus und steckt sie ins Portmonee.

Mit der Zeit werdet Ihr immer sicherer werden und das Einkaufen wieder leichter. Und den Akku vom Smartphone könnt Ihr für sinnvolles nutzen – oder zum Spielen. 😉


3 falsche Gründe, sich glutenfrei zu ernähren

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Es gibt mehrere Gründe, warum Menschen sich glutenfrei ernähren. Zum einen ist da natürlich die Zöliakie-Erkrankung, bei der eine strikte glutenfreie Diät eingehalten werden muss. Dann gibt es die bisher wenig erforschte Glutensensivität, die eher mit einer Laktoseintoleranz zu vergleichen ist, denn es können noch geringe Mengen vertragen werden. Und dann gibt es natürlich noch die Gruppe der Allergiker, v.a. auf Weizen. Auch haben Menschen mit Hashimoto – einer Autoimmunerkrankung, die genetisch mit der Zöliakie verwandt ist – häufig Probleme mit Gluten, obwohl sie (noch?) keine Zöliakie haben. Dies sind alles Gründe, warum man sich glutenfrei ernähren muss.

Doch man hört auch immer wieder andere Gründe, warum Menschen auf Gluten verzichten. Als Zöliakie-Betroffener kann ich da meistens nur den Kopf schütteln. Um was es geht? Hier sind die drei falschen Gründe:

1) „Miles Cyrus (oder jeder x-beliebige andere Prominente) ernährt sich doch auch glutenfrei!“

Ja und? Nur weil ein Promi sich so ernährt, muss man das noch lange nicht nachmachen. Es kann ja sein, dass derjenige eine Zöliakie/Glutensensivität/Allergie hat, aber dann ist es nur für den- oder diejenigen wichtig, sich glutenfrei zu ernähren. 
Überhaupt ist es meistens keine gute Idee, Promis einfach so nachzuahmen…
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2) „Die Webseite XY hat geschrieben, glutenfreie Ernährung sei gesund“

Immer wieder gibt es Webseiten und Bücher, die ein glutenfreies Leben anpreisen. Aber muss man immer alles glauben, was im Internet steht? (Ihr müsst auch nicht alles glauben, was auf dieser Seite steht, das ist Euch überlassen.) Wenn Du den Eindruck hast, dass Du kein Gluten verträgst, gehe bitte zum Arzt und lasse einen Bluttest und eine Magen-Dünndarm-Spiegelung machen. So kann der Arzt feststellen, ob Du eventuell eine Zöliakie hast und nur dann hast Du es auch schriftlich und kannst Dich gegenüber anderen Ärzten, Krankenhäusern oder Fluglinien (man darf Extra-Gepäck mit Nahrungsmitteln mitnehmen) durchsetzen. Außerdem ist es wichtig für Dich zu wissen, ob es wirklich eine Zöliakie hast – denn dann musst Du komplett – ich wiederhole es noch einmal KOMPLETT – auf Gluten verzichten, um Deine Gesundheit wieder herzustellen und zu bewahren.

3) „Mein Heilpraktiker/Lebensberater/Schamane hat gesagt, Gluten sei schlecht.“

Zunächst einmal, ich habe nichts gegen Heilpraktiker, Lebensberater oder Schamanen. Denn sie können eine echte Hilfe bieten! Was an der Aussage aber nicht stimmt, ist die Verallgemeinerung! Gluten an sich ist nicht schlecht. Es ist nur für diejenigen schlecht, die es aus welchen gesundheitlichen Gründen auch immer nicht vertragen. Und wenn ein Heilpraktiker zum Beispiel den Verdacht hat, dass eine Glutenunverträglichkeit vorliegt, sollte dies bei einem Gastoenterologen bestätigt werden (siehe oben).

Bitte benutzt Euren gesunden Menschenverstand, bevor Ihr auf irgendwelche vermeintlichen Mode-Diäten aufspringt. Denn es geht um Eure Gesundheit!!!


Dinkel ist nicht glutenfrei!

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Hildegard von Bingen, Dinkel, glutenWenn man sich glutenfrei ernährt oder ernähren muss, bekommt man immer wieder gerne einen Satz in verschiedenen Variationen zu hören: „Dinkel ist glutenfrei, den kannst Du doch essen!“ Wenn jemand, der sich überhaupt nicht damit auskennt, so etwas sagt, ist das vielleicht noch in Ordnung, aber ich habe diesen Satz neulich von einem Apotheker und einem Reformhaus-Mitarbeiter gehört, beides eigentlich Menschen, denen ich ein wenig mehr Wissen zugetraut hätte (ich weiß, mein Fehler).

Doch warum ist Dinkel nicht glutenfrei, wo er doch so gesund ist? Die Antwort ist ganz einfach: Dinkel ist ein Getreide und eng verwandt mit dem heutigen Weizen. Auch im lateinischen Namen kann man das erkennen.Triticum aestivu spelta ist der Lateinische Name für Dinkel, Triticum aestivum für Weichweizen. Außerdem gab und gibt es immer wieder Mischformen und Mutationen zwischen Weizen und Dinkel. Merkwürdigerweise gibt aber einige Weizenallergiker, die Dinkel vertragen.

Trotzdem: wenn man von Zöliakie betroffen ist, darf man keinen Dinkel zu sich nehmen -auch wenn eine Webseite über Hildegard von Bingen folgendes behauptet: „Das Getreide ist zwar nicht glutenfrei, jedoch wird Dinkel-Gluten im Allgemeinen viel besser vertragen als Weizen-Gluten“ Quelle: http://hildegardvonbingen.info/gesundheit/gesunde-lebensmittel-2/dinkel-2/

Dinkel ist glutenhaltig und muss bei einer Zöliakie vermieden werden.


Hafer und Zöliakie?

Hafer und Zöliakie

Hafer und ZöliakieViele Zöliakie-Betroffenen vertragen Hafer, sofern er als glutenfrei gekennzeichnet ist. Die DZG ist in ihrer Stellungnahme aus dem Jahr 2011 noch etwas zurückhaltend, hat bei ärztlichen Kontrollen und einem Aufklärungsgespräch nichts dagegen, sofern nicht mehr als 50 Gramm pro Tag verspeist werden.
Wichtig dabei ist, dass der Hafer auf getrennten Feldern von anderen Getreiden angebaut wird und auch nicht beim Ernten, Mahlen und Verpacken mit glutenhaltigem Getreide kontaminiert wird. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile glutenfreien Hafer sowie Produkte mit ihm zu kaufen.

Doch was macht das Gluten im Hafer aus, dass er von so vielen vertragen wird? Hafer enthält ungefähr die gleiche Menge Glutamin wie Weizen, Roggen und Gerste. Der Prolamingehalt, also die Eiweißverbindungen, auf die ein Zöliakiebetroffener reagiert, ist jedoch deutlich niedriger und entspricht dem von Mais, Reis oder Hirse: in Hafer sind nur 1,6 Gramm Avenin (also das Promalin im Hafer) enthalten, im Weizen sind es ca. 6 Gramm, jeweils auf 100 Gramm.

Jeder muss selbst entscheiden und testen, ob er glutenfreien Hafer essen möchte und verträgt. Ich habe keine Probleme, solange ich nicht zu viel davon zu mir nehme und natürlich die glutenfreie Variante wähle.


Was ist überhaupt Gluten?

eiweiss in getreide

Gluten ist ja zur Zeit in aller Munde (in meinem allerdings nicht mehr!). 😉 Aber was ist das überhaupt? Häufig bekommt man die Erklärung, es sei ein Klebereiweiß, der dafür sorgt, dass Brot und andere Backwaren eine bestimmte Konsistenz haben. Wer schon mal glutenfrei und glutenhaltig gebacken hat, kennt den Unterschied im Teig. Glutenhaltiger Teig ist klebriger, fluffiger, während glutenfreier Teig eher dazu neigt, auseinanderzulaufen oder pappig zu sein.
Richtiger ist es, von Klebereiweiß erst zu sprechen, wenn das Gluten im Mehl mit Wasser in Berührung kommt. Erst dann kann es seine elastischen Eigenschaften auch zeigen.

Gluten ist eigentlich ein Überbegriff für verschiedene Eiweißkombinationen in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste. Es gibt zwei harmlose Eiweißsorten in Getreide (Albumine und Globumine) und die, die zusammengesetzt zu Gluten gehören: Glutenine und Prolamine.

Die Prolamine haben unterschiedliche Namen je nach Getreideart:

eiweiss in getreide

Im Moment ist noch nicht genau erforscht, ob und wie die Glutenine schädigen. Bei einer Zöliakie reagiert man auf die Prolamine. Die einzige Ausnahme ist Hafer, hier gibt es Zöliakie-Betroffene die ihn vertragen. Warum das so ist – mehr dazu morgen!

Das Gluten ist übrigens für das Getreide wichtig, da es den „Pflanzenembryo“ füttert, wenn es anfängt zu wachsen. Man findet auch kein Gluten in Weizengras, allerdings sollte man, wenn man eine Zöliakie hat, trotzdem damit vorsichtig sein.


Liebeskummer durch Zöliakie?

Leider nicht für mich...

Leider nicht für mich…

Keine Sorge, mein Göttergatte hat mich nicht verlassen. Im Gegenteil, er unterstützt mich, wo er nur kann, backt sagenhaft gute glutenfreie Brote und ist immer auf der Suche nach neuen glutenfreien Produkten. Aber nach den ersten 4 Monaten mit Zöliakie fühle ich mich wirklich, als hätte ich Liebeskummer. Denn es ist ja auch ein Abschiednehmen…

Kein Besuch bei Cake Boy

Es ist ein lang gehegter Traum von mir, einmal bei dem Pattiseur Eric Lanlard in London essen zu gehen. Bei unserem letzten Besuch in London hat das leider nicht geklappt und wir hatten es uns ganz fest für das nächste Mal vorgenommen. Als ich jetzt seine Sendung im Fernsehen gesehen habe, war mir wirklich nach weinen zu mute, denn mir wurde plötzlich klar, dass das wirklich nicht mehr geht. Diese Konditoreikunst ist mit glutenfreiem Mehl einfach nicht möglich und natürlich würde er auch nicht nur für mich seine gesamte Konditorei reinigen lassen, um dann einen Kuchen zu backen, der seinen Qualitätsansprüchen wahrscheinlich eh nicht genügen würde. Das tat in dem Moment richtig weh und fühlte sich an wie Liebeskummer.

Weg mit den Backutensilien!

Heute habe ich dann endlich mal meine Backutensilien entrümpelt. Und auch da gab es ein paar Mal einen richtigen Stich ins Herz. Ich habe immer gerne gebacken und so haben sich die verschiedensten Dinge angesammelt. Am schlimmsten waren für mich die Ausstechformen für Kekse, da ich einige sehr ausgefallene habe. Man kann sich selbstverständlich darüber streiten, ob man sie nicht mit heißem Wasser, einer kleinen Bürste und dann in der Spülmaschine wieder sauber kriegt, aber mir ist das zu riskant. Gluten setzt sich leider in die kleinsten Ritzen ab und da ich nur Blechformen habe mit Knicken und Falten, werde ich sie nun weggeben. Auch für meinen Kleinen hebe ich sie nicht auf, denn ich werde bestimmt nicht meine endliche glutenfreie Küche mit einer Keks-Schlacht wieder „verseuchen“. Auch hier fühlte es sich wieder so an wie Liebeskummer, denn nach einer Beziehung entsorgt man ja auch Erinnerungsstücke wie Briefe und ähnliches.

Lichtblicke!

Aber es gibt natürlich wie beim Liebeskummer auch Lichtblicke. Zum einen ist da die Facebook-Gruppe Zöliakie-Austausch. Dort treffen wir uns, stellen Fragen, tauschen Rezepte und Erfahrungen aus und dürfen auch einfach mal die glutenfreie Seele hängen lassen. Mittlerweile sind wir dort über 1.400 Betroffene!
Und zum anderen weiß ich, dass ich trotz Zöliakie immer noch gut leben und alt werden kann, solange ich mich an die Diät halte.
Und das wichtigste: ich entdecke sogar neue Rezepte, die wirklich lecker sind, gestern gab es z.B. Gnocchi aus Kastanienmehl! Vielleicht bin ich noch nicht ganz reif für diese neue glutenfreie Beziehung, aber sie wächst jeden Tag und bald sind die Zöliakie und ich bestimmt ein gutes Paar!

PS: Die Backformen und Keksausstecher werde ich der Nachbarschaftshilfe oder einem Kindergarten spenden, so haben sie wenigstens doch noch einen guten Zweck. Und ich habe Platz, wieder neue zu sammeln.